hornblower
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DSP, warum eigentlich?

22. Apr 2021 09:52

Hallo zusammen,

ich habe mir überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt schreiben soll, denn ich vermute, das Interesse wird eher gering sein. Das Klipschforum ist schon etwas old school, sehr analog und röhrenlastig. Digitales Soundprocessing ist eher unterbelichtet. Vielleicht kann ich den einen oder anderen aber doch motivieren, sich diesem Thema einmal intensiver zu widmen. Zur Einstimmung zunächst einmal folgendes Video, in dem sich Prof. Anselm Goertz zu dem Thema äußert. Da sind ein paar sehr klare Aussagen gemacht.

https://www.professional-system.de/features/prolight-sound-2018-anselm-goertz-detlef-hoepfner-ueber-audio-trends/

Ich möchte am Beispiel einer Neumann KH 420 einmal darstellen, was man mit digitalem Soundprocessing (DSP) selbst bei einem erstklassigen Lautsprecher bewirken kann. Die KH 420 ist ja, wie man seit Jahren weiß, ein überaus neutraler, unbestechlicher Lautsprecher, perfekt entwickelt und gefertigt. Wenn man diesem Lautsprecher überhaupt etwas ankreiden kann, dann sind es eine im Vergleich zu Hörnern prinzipbedingt nicht ganz so extreme Dynamik und die Beschränkung auf max. mittelgroße Räume. Große Räume und Hörabstände von 4 m plus kann der Lautsprecher zwar auch, kommt dann aber an seine Grenzen.

Fangen wir an mit dem FG des Lautsprechers im Freifeld. Hierbei ist anzumerken, dass es sich bei der KH 420 um einen aktiven aber rein analogen Lautsprecher ohne digitale Korrekturmöglichkeiten handelt:

Bild

Wie man sieht, haben wir hier einen perfekt linearen FG zwischen 30 Hz und 20 kHz. Besser geht es kaum. Der Entwickler hat diesbezüglich ganze Arbeit geleistet (ohne Einsatz von DSP). 

Was wird nun aus dem FG, wenn man ihn am Hörplatz in normaler Umgebung misst:
https://www.soundandrecording.de/equipment/neumann-kh420/

Hier müsst ihr auf die entsprechende Messwertegrafik im Test schauen. Die konnte ich leider nicht rauskopieren. Wie man sieht, wird aus dem glatten FG im Freifeld eine wilde Berg- und Talbahn v.a. im Bass (blaue Kurve). Was man auch sieht ist, was daraus wird, wenn man den FG behutsam mit ein paar EQ's für den Hörplatz korrigiert (rote Kurve). Eine klein-klein Überkorrektur (ein Fehler, den viele Hobbyisten machen) findet nicht statt (grüne Kurve). Es werden bis 1 kHz nur wenige EQ's gesetzt, der Rest bleibt so wie er ist.

Kauft man sich einen derart vom Entwickler exzellent abgestimmten Lautsprecher, dann sieht das zu Hause unkorrigiert genauso aus. Man ist zwar zufrieden, ärgert sich aber immer mal wieder über lästige Raummoden, Dröheffekte oder andere Artefakte. 

Eine andere Spielwiese für DSP ist das Phasenverhalten der einzelnen Treiber. Die Neumann zeigt hier folgendes:

Bild

Wie man sieht, kommen die einzelnen Treiber (Wege) zeitlich nacheinander. Auch so etwas kann mit DSP korrigiert werden.

Es ist aber wie so oft, wer es nicht gehört hat, kann es sich nicht wirklich vorstellen. Jeder aber so wie er mag. Das Hobby ist bunt.

Grüße Andreas
 
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bucky
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Re: DSP, warum eigentlich?

22. Apr 2021 19:21

:Dankeschild: Andreas!
ich gehoere, aus diversen gruenden, zwar zu o. g. old school fraktion - aber man sollte ja hin und wieder auch mal ueber den tellerrand hinausschauen - daher danke fuer den input.
gruss bucky
...and DON`T FORGET TO BOOGIE!
:Peace:
 
Peter V.
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Re: DSP, warum eigentlich?

22. Apr 2021 21:58

hornblower hat geschrieben:
Was wird nun aus dem FG, wenn man ihn am Hörplatz in normaler Umgebung misst:

Dann schliesst man die Neumänner am KH750DSP an und erhält: 
automatische Einmessung und FIR Phasenkorrektur per MA1 MAC/PC Software

Gruß
Peter
 
hornblower
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Re: DSP, warum eigentlich?

24. Apr 2021 10:59

Peter V. hat geschrieben:
Dann schliesst man die Neumänner am KH750DSP an und erhält: 
automatische Einmessung und FIR Phasenkorrektur per MA1 MAC/PC Software

Gruß
Peter

Hallo Peter,
diese Software läuft aber nur bei Lautsprechern der Marke Neumann.
Ich bin aber kein Freund von automatischen Einmessroutinen. Die bügeln alles glatt und im Hintergrund laufen 30, 40 oder mehr Filter. Man kann das mit REW simulieren, indem man bei der Filterkurve no smoothing und 1 dB Abweichung einstellt. Die Anzahl der Filter, die da gesetzt werden müssten, sind unpraktikabel und auch nicht gut. Besser ist es, wenn man die kleinen Abweichungen im FG belässt und nur die großen korrigiert.
Die Verwender rein analoger Ketten müssen sich gewahr sein, dass sie am Hörplatz zu Hause solche FG'e unterhalb von ca. 200 Hz haben, auch wenn die LS sehr hochwertig und teuer sind. Solche Hififreaks kehren die Steinchen von der Straße, belassen aber die Schlaglöcher. ;)
Gruß Andreas
 
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Robert
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Re: DSP, warum eigentlich?

24. Apr 2021 15:20

Hi Andreas,

genau so mache ich das bei mir auch! Korrigiert werden die großen Moden, mit 3-5 gezielt gesetzten Filtern. Bei mir führt das zum besten Ergebnis. Es klingt nicht glatt gebügelt wie es z.B. Dirac oder Audyssey gerne mal tut und trotzdem sind die großen Abweichungen korrigiert.

Gruß Robert
 
Peter V.
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Re: DSP, warum eigentlich?

24. Apr 2021 18:17

hornblower hat geschrieben:

Die Verwender rein analoger Ketten müssen sich gewahr sein, dass sie am Hörplatz zu Hause solche FG'e unterhalb von ca. 200 Hz haben, auch wenn die LS sehr hochwertig und teuer sind. Solche Hififreaks kehren die Steinchen von der Straße, belassen aber die Schlaglöcher. ;)
Gruß Andreas

HiFi Freak bin ich zwar nicht aber verwende nur analoge Filter.

Gruß
Peter
 
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Robert
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Re: DSP, warum eigentlich?

24. Apr 2021 18:39

Hallo Peter,

aber du verwendest Filter! Andreas geht es denke ich eher darum aufzuzeigen, wie viel Potential verschenkt wird, wenn man überhaupt nichts macht.

Es ist leider so, dass die Raumakustik bei vielen Hörern überhaupt nicht auf der Agenda steht.

Gruß Robert
 
hornblower
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Re: DSP, warum eigentlich?

24. Apr 2021 20:00

Robert hat geschrieben:

Es ist leider so, dass die Raumakustik bei vielen Hörern überhaupt nicht auf der Agenda steht.

Gruß Robert

So scheint es zu sein, wenn man in diversen Foren liest. Dafür beschäftigt man sich eher mit Hifikomponenten, wechselt diese, um vielleicht einen Tick besser oder auch nur anders zu hören. Oder man setzt sogar die Kabelfrage ganz oben auf die Agenda. Das meinte ich übrigens mit der Metapher von den Steinchen und den Schlaglöchern. Eine bescheidene Raumakustik und Lautsprecher, die am Hörplatz wilde Messwerte liefern, sind die ganz großen Schlaglöcher.

Ich will hier aber nur etwas beraten und keine Sinnvermittlung geben.

Gruß Andreas

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