Peter V.
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Re: Besessen von einem dreckig klingenden Pentoden Amp-Selbstbau

9. Aug 2017 00:43

Ja, ist die Endstufe eines RCA AM Senders von 1946, die beiden linken 833A verstärken die Hochfrequenz auf 1KW Trägerleistung, die beiden rechten die Niederfrequenz auf 500W, angesteuert von einer 807.
Aus solchen Sendern stammten die ersten Exemplare der 833A die ich erhalten hatte, die aus chinesischer Produktion sind allerdings nicht schlechter.

Ich habe neulich eine schon ältere, aber sehr interessante Diskussion entdeckt bezüglich der Frage wie viel Leistung man zu Hause zur Verfügung stellen sollte:

http://www.visaton.de/vb/showthread.php?t=24747

Gruß
Peter
 
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Re: Besessen von einem dreckig klingenden Pentoden Amp-Selbstbau

9. Aug 2017 08:28

Deshalb auch das unterschiedliche Glühen der linken und rechten Röhren...

Zur Leistung: Ich richte mich da nach meinem persönlichen Hörbedürfnis. Wenn ich daheim eine hochwertige Endstufe mit 2x250 Halbleiterwatt gegen selbstgebastelte 2x25 Röhrenwatt oder weniger antreten lasse und nie das Gefühl habe, dass es der Röhre bei meinen Hörlautstärken an Leistung fehlt, ganz im Gegenteil, dass die Röhre mit all ihren Unzulänglichkeiten für mich wesentlich "musikalischer" klingt, dann brauche ich nicht mehr Leistung. Ich höre nicht mal so gerne bei hoher Lautstärke. Dann das Thema "Dauerleistung": Musik ist dynamisch, einer starken, stabilen Endstufe mit stabiler Speisung, gigantischen Siebkapazitäten usw. ist das so ziemlich egal, solange sie nicht überlastet wird. Was nun, wenn alles hochohmiger, weniger stabil ist? Hier ergeben sich plötzlich Unterschiede zwischen konstanter und dynamischer Aussteuerung. Das ist aus meiner Sicht mit ein Grund, weshalb schwächliche Röhrenendstüfchen trotzdem so aufspielen können. Dazu noch das sanfte Clipping, falls sie trotzdem mal kurzzeitig überfordert werden.

Schlussendlich spielen hier so viele technische und menschliche Faktoren mit, dass solchen Diskussionen lieber aus dem Weg gehe :Bier:

So nebenbei, ich finde grosse, mächtige Endstufen auch geil, aber das ist mehr so eine Sch*anzlängensache. Wer weiss, vielleicht das dritte Projekt? :Kasper:
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Re: Besessen von einem dreckig klingenden Pentoden Amp-Selbstbau

23. Aug 2017 08:59

Gestern mal eben so knapp 900€ für zwei verlustarme SE-Ausgangsübertrager (Ringkerner logischerweise) ausgegeben. Mit 30W Nennleistung zwar überdimensioniert, aber passender Primärimpedanz. Auch gehen sie erst bei etwas mehr als 300mA in Sättigung. Der -3dB-Frequenzgang von 3.5Hz-78kHz (20Hz bei 30W) sollte ausreichend sein, d.h. praktisch Phasentreue im hörbaren Bereich.

Dazu kommen noch zwei Netztransformatoren, die gleichen wie bei kleinen EL84-Projekt. Damit wären dann schon mal so vielleicht 17 Kilo Eisen und Kupfer verbaut, plus ein paar Gramm Isoliermaterial :mrgreen2:

Die angepeilte Nennleistung wird so bei 2x14-15W liegen. Wenn man eine EL509 oder eine EL519 noch etwas mehr quält, sind dann sogar noch wenige Watt mehr drin, vorallem bei der EL519, was an sich aber keine Rolle spielt. Zwischenzeitlich sind noch 10 Cleartop-EL509 hinzugekommen:

Bild

EL509 und 519 unterscheiden sich nur bei der maximalen Verlustleistung.
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Re: Besessen von einem dreckig klingenden Pentoden Amp-Selbstbau

13. Sep 2017 11:07

Da mir die normal erhältlichen Anodenkappenanschlüsse einfach nicht gefallen, habe ich kurzerhand etwas selber entworfen. Im Innern eine 1/4"-Spannzange eines Ritel-Kopfes, drumherum alles aus PTFE, 1mm2 600VAC/DC-Hochtemperaturlitze (Prüfspannung 3.4kV), PTFE-Schrumpfschlauch und Pressverbindung. Hält fest und ist berührungssicher. Oben gibts ein kleines Loch, durch das man mit einem Schraubenzieher die Spannzange festziehen kann.

Bild

Bild

Die abgebildete Röhre ist kleiner als eine EL509 / 519. Das Teil habe ich einfach mal mit Säge, Ständerbohrmaschine, Cutter und Feile zusammengebastelt, die definitiven Teile werden später professioneller aussehen. Mal sehen, was unser Prüfmittelbauer für die Herstellung der PTFE-Teile haben möchte...
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Re: Besessen von einem dreckig klingenden Pentoden Amp-Selbstbau

21. Sep 2017 10:21

Zwischenzeitlich habe ich mich mal ein wenig mit dem Netzteil beschäftigt, d.h. mit LTSpice ein diskretes Halbleiternetzteil (ohne IC's) für die Anodenspannung entworfen. Die Schaltung verfügt über einen logikkompatiblem Eingang, über den man die Anodenspannung ein- und ausschalten kann. Die Spannung fährt langsam hoch und runter. Im Standby-Modus liegen bewusst noch ca. 15V an. Eine aktive Strombegrenzung (Kurzschlussschutz) gibt es allerdings nicht, die müsste mit einer Sicherung gemacht werden. Die Schaltung selber sollte aber bei einem plötzlichen Kurzschluss am Ein- oder Ausgang nicht hops gehen.
Trafo (mit Innenwiderstand), Gleichrichter usw. sind in der Simulation mit berücksichtigt, bei 5s wird eingeschaltet, bei 20s findet ein Lastsprung von 10mA auf 500mA statt, bei 21s umgekehrt und bei 25s wieder in den Standby geschaltet (bei geringem Laststrom, deshalb die flache Entladekurve). Die Resultate sind vielversprechend:

Bild

Hier die Details vom Lastsprung (Regelverhalten). Rippel?:

Bild
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Re: Besessen von einem dreckig klingenden Pentoden Amp-Selbstbau

27. Sep 2017 12:07

Gestern habe ich mir mal die Treiberstufe auf einem Steckbrett zusammengestöpselt, ausgemessen und Werte optimiert. Die ECF80 schlägt sich ganz gut. Da ich nun doch auf eine GK über alles verzichte, war mir die Verstärkung der Pentode eigentlich viel zu hoch und als Triode wollte ich sie nicht schalten. Auch wollte ich auf keinem Fall die Verstärkung durch Spannungsteiler reduzieren. Da es möglich ist, eine Endpentode auch über das Schirmgitter anzusteuern (z.B. E.A.R 859 usw.), fragte ich mich, warum nicht mal mit der ECF80 Versuche diesbezüglich wagen. Das Eingangssignal wird zwar weiter über das Steuergitter zugeführt, aber das Schirmgitter des Pentodenteils habe ich an der Kathode des Triodenteils (Ausgangsstufe, Kathodenfolger) angebunden, womit eine lokale Gegenkopplung und somit eine Reduktion der Verstärkung entstanden ist, zudem spare ich so noch Bauteile. Funktioniert super, die Arbeitspunkte stabilisieren sich so sogar noch gegenseitig. Abgesehen von der Speisung kommt nun die ganze Treiberstufe mit lediglich einem einzigen Kondensator am Ausgang des Kathodenfolgers aus, innerhalb der Stufe ist alles DC-gekoppelt und das Schirmgitter der Pentode ist wie schon erwähnt mit der Kathode der Triode verbunden. Hier noch ein paar KO-Bildchen:

1kHz-Sinus, ~60Vpp:

Bild

1kHz Rechteck, ~60Vpp:

Bild

Hier noch der Frequenzgang, der -3dB-Punkt liegt bei ca. 630kHz:

Bild

Hier der Frequenzgang zusätzlich mit 100pF||220k am Ausgang der Treiberstufe. Beim Versuchsaufbau habe ich einen relativ kleinen Koppelkondensator am Ausgang verwendet, deshalb der kleine Anstieg zu tiefen Frequenzen hin:

Bild

Beim nächsten Mal nehme ich einen USB-Stick mit in den Hobbyraum, dann müsste ich den Oszi nicht abfotografieren. Verstärkung und max. Ausgangsamplitude können durch andere Dimensionierung beeinflusst / erhöht werden.
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Re: Besessen von einem dreckig klingenden Pentoden Amp-Selbstbau

3. Feb 2018 12:02

Ein kleines Update an dieser Stelle: So in ca. 2 Wochen sollten erste Resultate da sein....

Ganz nebenbei ist ein Konzept für etwas mit ca. 100-120W Ausgangsleistung entstanden, pro Kanal selbstverständlich...
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Re: Besessen von einem dreckig klingenden Pentoden Amp-Selbstbau

10. Aug 2018 09:27

Mal wieder ein Update:

Anfang Jahr hatte ich den Verstärker tatsächlich mal zusammen, zumindest auf dem Chassis, noch ohne Hülle drumherum, bin aber irgendwie einfach nicht glücklich geworden damit. Nun denn, wieder simuliert, auf dem "Brett" aufgebaut, diverse neue Ideen... und dann bin ich auch noch über die 5670'er-Doppeltriode gestolpert. Eine wunderbare Röhre, riesige NOS-Bestände und keinen Hype, keine Mondpreise, woran auch die ungewöhnliche Sockelbeschaltung liegt, denn sie passt praktisch nirgendwo einfach so mal als Ersatz hinein. Aber, die symmetrische Beschaltung des Noval-Sockels und das Schirmblech zwischen den beiden Triodensystemen passt für mich perfekt: Eine 5670 (oder 6N3P) und zwei EL519, da wirds richtig schnuckelig, die gedrungene 5670 geht dabei optisch beinahe unter. Im Moment schwanke ich noch zwischen der ECF80 und 5670 hin und her. Vielleicht baue ich sogar beides auf und lasse das Gehör entscheiden.

Die Messwerte auf dem Brett sind bei beiden Varianten ausgezeichnet, der obere -3dB-Punkt bei annähernd 80kHz. Tiefer Klirr, aber noch nicht so richtig gemessen, nur mal ab und zu rasch eine FFT. Nun, mein Funktionsgenerator spuckt da auch noch gehörig mit hinein, aber im Geschäft haben wir zum Glück auch noch einen echten, klirrarmen Sinusgenerator, ansonsten einfach herausrechnen. Nun denn, Klirr, Frequenzgang und all das Zeugs sind ja eigentlich auch nicht so wichtig, sehen höchstens auf dem Papier geil aus... vielleicht. Klingen muss es...
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Re: Besessen von einem dreckig klingenden Pentoden Amp-Selbstbau

16. Aug 2018 00:33

Tischi hat geschrieben:
Ein kleines Update an dieser Stelle: So in ca. 2 Wochen sollten erste Resultate da sein....

Ganz nebenbei ist ein Konzept für etwas mit ca. 100-120W Ausgangsleistung entstanden, pro Kanal selbstverständlich...

Mit EL519 wird das schwierig, sie sind aber ein brauchbarer Treiber für die 833A im A-Betrieb.
Gruß
Peter
 
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Re: Besessen von einem dreckig klingenden Pentoden Amp-Selbstbau

16. Aug 2018 07:49

Es war nie die Rede von einem 100W-Eintakter...
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Re: Besessen von einem dreckig klingenden Pentoden Amp-Selbstbau

16. Aug 2018 15:37

Tischi hat geschrieben:
Es war nie die Rede von einem 100W-Eintakter...

Hatte ich angenommen wegen Deiner Aussage " Gestern mal eben so knapp 900€ für zwei verlustarme SE-Ausgangsübertrager (Ringkerner logischerweise) ausgegeben."

Gruß
Peter

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