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ujaudio
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Live vs. Hifi

29. Jul 2017 10:36

Gestern konnte ich mal wieder Musik live erleben - und das gleich mehrfach. Das sollte ich viel öfter machen, um meine Hifi-Anlage besser beurteilen zu können. Aber: was ist den heute Live-Musik, sofern man nicht z.B. ein klassisches Symphonieorchester hört oder in die Oper geht?

Musikerlebnis 1: großer Marktplatz, große Bühne, riesige PA, eine Band mit viel Schlagwerk und Bläsern. Ich stehe unmittelbar vor dem Mischpult und habe einen tollen Sound - so in etwa klingen meine AK60 mit guten Live-Aufnahmen auch. Geht man allerdings vor an die Bühne, dann dröhnen einen die Bässe zu, das erinnert mich stark an die Zeit, wo meine AK60 noch nicht eingemessen waren und der Sound extrem von den Raumresonanzen abhängig war.

Musikerlebnis 2: Cello, 2 Gitarren, Cajón, 2 Sängerinnen, keine PA, irgendwo auf der Straße - aha, so klingen die Instrumente, allerdings stehen / sitzen die Musiker nebeneinander (sozusagen Bühnenbreite ca. 8 m, Hörabstand situationsbedingt max. 4m), was der Musik insgesamt nicht förderlich ist, dafür wippen die Füße - so macht Musik Spaß!

Musikerlebnis 3: Gitarre, Violine, Kontrabass, Cajón, Becken (beide Schlaginstrumente mit Hand oder Jazzbesen gespielt), Sänger, keine PA, irgendwo auf der Straße. Die Musiker stehen als Gruppe nahe beieinander und sind wahre Könner auf ihren Instrumenten - einfach Klasse (heute sagt man wohl eher "echt geil").

Musikerlebnis 4: großer Marktplatz, große Bühne, riesige PA, eine richtig gute Band. Leider ein anderer am Mischpult, schon die erste Minute mit dem Soundcheck mit dem Schlagzeug eine Katastrophe. Nach dem ersten Musikstück gehen wir - dafür werde ich mir von der Band eine CD kaufen und auf meinen AK60 abspielen, hoffentlich gibt es eine Live-CD!
 
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Unison12
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Re: Live vs. Hifi

29. Jul 2017 17:25

Zu dieser deiner Erkenntnis, kommt man viel zu spät. Ich meine viele Euronen später. Bei Straßen Musikern oder auch sehr guten Konzertsäälen(gibt es viel zu wenige) hört man das Geigen nicht zu Kreissägen werden. Das Saxophon,  eine Erfindung vom Herrn Sax aus einer Idee heraus was zu erfinden was eine Mischung aus Klarinette und Trompete ist. Diese beiden Instrumente hatten für ihm zu wenig Tiefe Töne. Bei einen guten Konzert oder im kleinen Jazzclub,  spürt man die Wärme, dieses wunderbare angenehme Art.  Absolutes Gegenbeispiel:  Tony Joe White. Live Konzert vor 2 -
300 Zuhörern. Schlagzeug und E Gitarre, das war's. Ein Schlagzeug kann man nicht leiser machen, was bleibt da übrig als die E Gitarre lauter zu machen. Hier wurde ich richtig verprügelt,  hat mir viel Spaß gemacht. Nur wenige können so zu Hause Musik hören, da brauch man keine Nachbarn.
Am Ende ist alles nur ein Kompromiss,  jedem wie es gefällt.   
Man hört nie aus

Uwe
 
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Bodi
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Re: Live vs. Hifi

30. Jul 2017 11:58

Lieber Jürgen,ich stimme dir voll und ganz zu  :Bier:.Ich hatte auch schon div. vergleiche z.b.Blues Company, Tony Joe White in der Bonner Harmonie.
Zu Hause an den AK 60 war es genau so gut wenn nicht sogar besser  :Knienieder:

:Bier:
Dirk
 
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fkjazz
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Re: Live vs. Hifi

30. Jul 2017 13:41

Mich beeindruckt live immer wieder der ungeheure Dynamikumfang . 
Wenn ich im Konzert 2-3 m vor einem Konzertflügel sitze erlebe ich von leisestem Pianissimo bis zu Fortissimo Klangorgien eine derartige 
Dynamik und ein derartiges Klangvolumen, das ich bei einer Anlage noch nie erlebt habe. Trotz Klipsch La Scala , Tannoy Kensington und entprechenden 
Verstärkern ist dieser Eindruck nicht darstellbar, wahrscheinlich auf Tonkonserven auch nicht einfangbar.
 
thomas1960
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Re: Live vs. Hifi

30. Jul 2017 14:27

Hi,

da muss ich mich doch gleich einklinken.
Wir kommen gerade von den "Golden Oldies" in Wettenberg und hatten ebenfalls reichlich Livemusik, 14 Bühnen.
Bei EINER Band hat mMn alles gestimmt. Ansonsten würde ich so zu Hause nie hören wollen. Trauriges Mixing.
Warum habe ich nochmal AK60 und Martion Exodus verkauft  :Frust:? Ach ja, keine Ecken... .
Diese Dynamik, dieses ansatzlos gnadenlose... - können meine Monitore nicht, fertig.
Ich kenne jedoch derzeit kein Kauf-System bis 10000€, das die Genauigkeit und fehlende geile Dynamik so vereint, um diese zu ersetzen.
Ich bin sehr detailgeil geworden, Chorus, Forte etc. sind raus.
Dieter Achenbachs neue Tricolon (!!!) mit leichter Ohrblutabstimmug kommt diesem für mich noch am ehesten nahe!
Ich erwische mich immer mal wieder bei diesem Gedanken... .

Es ist doch wunderbar, wie fein wir alle hier das Livefeeling zu Hause oft BESSER nachempfinden können!

Lg Thomas
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Schau auf das Schöne, dann bringst auch du das Schöne in deine Welt.
 
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Horn-ophil
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Re: Live vs. Hifi

30. Jul 2017 21:10

Der Knackpunkt ist wahrscheinlich eher der, dass viele Aufnahmen einer gewissen dynamischen Kompression unterzogen werden
um den leisesten Ton und den lautesten Ton der Aufnahme etwas näher beieinander zu rücken.
Seinen "worst case" findet diese Technik im "Loudness war".
Der Grund warum dies oft in Aufnahmen gemacht wird ist rein technisch gut nachvollziehbar.
Wer will schon dauernd an der Lautstärker-Regelung seines Verstärkers rumspielen wenn
die Produktion tatsächlich die technisch machbare Dynamik der CD ausnutzt. ;)
Der Artikel hier geht im mittleren Teil auf den Grund ein.
http://www.hifi-and-friends.de/loudness ... r-klingen/

Daher ist die Dynamik bei einem wirklichen Live-Event so imposant, weil vollkommen ungebremst.
Insofern kann also auch eine Hifi-Anlage mit theoretisch sagen wir mal 100 dB Dynamikumfang
nicht das wiedergeben was man live vor Ort gehört hat, wenn es aus produktionstechnischen Gründen
nocht so auf die CD gebracht wurde.
Von Vinyl und seinen max. 40 dB Dynamikumfang wollen wir hier erst garnicht reden :lol:
- Carpe that fucking diem -
 
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Hornvirus
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Re: Live vs. Hifi

17. Sep 2017 19:15

Gestern war auch ich Hörer eines Live-Konzerts anlässlich einer Hochzeit in einem Saal mit ca. 150 Gästen.
Die 6 Mann-Band spielte schon ab Nachmittag zum Kaffee - sehr ausgewogener Klang nicht zu laut.
Am Abend wurde es schon um etliches lauter, was ja ok. ist.
Was mir aber auffiel und gar nicht gefiel - die Bassfraktion war viel zu dominant.

Nach einiger Zeit ging ich daher zu der Band, sagte ihnen, dass sie allesamt Spitzenmusiker sind, die ihre Instrumente beherrschen
und mir es auch gefällt, wenn der Bass so schön auf die Brust und den Bauchraum drückt.
Nach meiner Frage, ob sie im Vergleich zu nachmittags, etwas an dem Soundmixing verändert hätten, zuckten sie mit den Schultern und verwiesen auf den sechsten Mann,
der auch für das Mischpult zuständig war.
Ich habe ihnen dann mein Klangempfinden bei der "Abendeinstellung" geschildert und dargelegt, dass ich gerne alle Instrumente in gleichberechtigter Lautstärke genießen möchte,
was mir aber nicht gelänge, da der Bass dazu im Vergleich zu dominant bzw. überbetont sei und so den Rest des Klanggeschehens in den Hintergrund dränge.

Daraufhin ging erst mal ein E-Gitarren-Spieler währen der Darbietung im Raum umher zur Hörprobe und im Anschluss der "Soundmixer".
Siehe da, wenig später klang das Ganze schon deutlich ausgewogener, der Bass immer noch schön wuchtig und präsent, aber trockener und zurückgenommen
im Vergleich zu den restlichen Instrumenten. Na also, geht doch, dachte ich mir und war froh, dass sie meine Kritik ernst genommen und positiv darauf reagiert haben.

Mein persönliches Fazit:
Man muss sich nicht alles bieten lassen, was einem nicht gefällt.
Wenn man den richtigen "Ton" findet und die Kommunikation respektvoll führt, kann man durchaus dazu beitragen, den Klang einer Live-Band zu optimieren.
Es liegt ja meist nicht an den Musikern, sondern an der "Soundanlage" und deren Einstellung.

Viele Grüße
Josef

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